Allgemeine Definition des Begriffs:
Eine Wolke (auf die indogermanische Wurzel uelg „feucht,
nass“ zurückgehend und daher mit dem Adjektiv welk und dem Flussnamen Wolga
sprachlich verwandt) ist eine Ansammlung von sehr feinen Wassertröpfchen (
Nebel) oder Eiskristalen in der Atmospäre.
(Quelle: Wikipedia)
Atomwolke:
Die beim zünden einer Atomwaffe (oder Reaktorunfall)
freigesetzte Energie verdampft alles in ihrem Umfeld und entzündet weit
Entferntes. Die dabei entstehende Asche bzw. Rauch, hochgewirbelter Staub und
der Wasserdampf vermischen sich mit dem ebenfalls sublimierten radioaktiven
Resten der Waffe zu einer radioaktiven Wolke, die sich beim Aufsteigen abkühlt
und schließlich abregnet.
Der Begriff „Wolke“ wird in dem Roman oft benutzt und spielt
eine große Rolle. Die Wolke dient auch als Leitfaden. Genauer gesagt wird sie
als Symbol für die Technologie verwendet.
Es ist wichtig zu nennen, dass der Begriff eine Bedeutungsveränderung durchlebt.
„Zu Großmutter Zeiten hat man sich unter dem Wort „Wolke“ nichts
anderes vorstellen können als kondensierten Wasserdampf.Weiß, womöglich, ein
mehr oder weniger schön geformtes, die Phantasie anregendes Gebilde am Himmel.“
( S.15/16)
Auch der strahlende Himmel war bisher positiv besetzt, doch
nach dem Reaktorunfall ist auch dies nicht mehr so, denn „auf Bestrahlung
können wir aufgrund des histologischen Befunds verzichten“ (S. 30)
Wie in dem Zitat „ Dieser makellos blaue Himmel entgeht dir,
dieses Sinnbild von Reinheit, auf dem sich heute die bangen Blicke von
Millionen treffen.“ (S.27) zeigt die Natur ihre schöne Seiten, doch der blaue
Himmel macht den Menschen heute Angst und das deshalb, weil durch den Eingriff
des Menschen das Gleichgewicht der Natur gestört wurde.
Es wird weiterhin von der Operation des Bruders berichtet
und zwar dass, wenn „ bestimmte Teile des Gehirns beschädigt werden, können
sogar Persönlichkeitsveränderungen vorkommen“ (S.27). Im Zusammenhang zur
radioaktiven Wolke wird hier auf spätere gesundheitliche Probleme hingewiesen,
welche Folgen des Super-Gau`s waren.
Desweitern hat die Wolke „ die Lust am Schnittsalat und am
Spinat genommen“ ( S.28). Das heißt, Lebensmittel, die gesund waren, sind nun
schädlich, so dass man sie meiden muss.
Der technische Fehler führt weiterhin zu radioaktiven
Gärten, so dass die Zeiten, in denen „Wissenschaftler oder Techniker häufig
Entspannung bei der Gartenarbeit suchen“
(S.29) nun vorbei sind.
Die Erzählperson schwärmt von ihrem Besuch in Kiew . „Ein
Himmel wie dieser, reines blau“( S.36) und ist nun betrübt „dass, die
unschuldige Himmelsfarbe diesen giftigen Ton annimmt.Der bösartige Himmel“
(S.36). Die Atomwolke ist also Schuld, dass sich etwas positives ins Negative
ändert.
Der Regen ist nun auch nicht mehr schön, denn es rieselt
Radioaktivität und deshalb dürfen die Kinder nicht mehr raus oder man muss sie
abduschen wenn sie bei schönem Wetter draußen gespielt haben. (S.115)
Wie oben bereits genannt, wird die Wolke als Symbol für die
Technologie benutzt. Die Erzählperson benutzt die Wolke demnach im Zusammenhang
mit der Operation des Bruders.
„Soll doch diese verfluchte Wolke sich auflösen oder
abregnen oder ich weiß nicht was.Sollen doch deine verdammten Ärzte endlich von
dir ablassen. Soll doch alles wieder so sein, wie es vorher war“( S.61). Hier
sieht man das Gefühl oder besser gesagt die Hoffnung, dass wenn die radioaktive
Wolke entschwindet auch die Operation zu Ende sein wird. Die Wolke wird also
gleichgesetzt mit der Operation.Dies bestätigt sich mit dem Zitat von Bertholt
Brecht „ war eine Wolke, die ich lange sah. Sie war weiß und ungeheuer oben.und
als ich aufsah, war sie nimmer da“ (S.66). Erst als die Nachricht kam, dass die
Operation erfolgreich war, entschwindet die Wolke und zum ersten mal redet die
Erzählperson von Mitverantwortung und der Hoffnung, „dass es für alles und
jedes eine technische Lösung gibt“(S.67) und fragt sich „welcher Dichter es als
erster wieder wagen würde“( S.68) die Wolke zu besingen.
Trotz dass sich der Bruder in einer Gegend befindet, wo die
Emission stärker ist, ist sie nicht empört, denn er ist ja mit seinen Ärzten
zusammen. Das heißt, die Technologie ist zwar an allem Elend schuld, jedoch
hilft sie den Menschen auch. Denn wäre die Technologie nicht so weit
entwickelt, hätte die Operation des Bruders nicht durchgeführt werden können.
Als die Nachricht kam, dass sich die Wolke geteilt hat und
Nord- und Südeuropa betadelt wurde, stellt sich die Erzählperson die Frage, ob
„wir uns in einem Ernstfall wie diesem tatsächlich zu Nordeuropa zählen
mussten, was wir sonst leichtfertigerweise und eigentlich aus Eitelkeit tun,
oder ob wir nicht, genaugenommen, noch zu Mitteleuropa gehören“ (S.122). Somit
kann man sehen, dass ein Reaktorunfall dazu führen kann, wo man in der Welt
steht.
Die Bauern fragten sich, wer nun ihren „Salat bezahlen
würde“( S.122), obwohl doch das Atom den Menschen mehr Energie bringen sollte,
jetzt aber nur Geld kostet.
Weiterhin hat die radioaktive Wolke die Macht Geheimnisse
zwischen Regierungen ans Licht rücken zu können, denn „Regierungen würden aus
Selbsterhaltungstrieb dazu übergehen müssen, ihre Geheimnisse der anderen Seite
geradezu aufzudrängen“ (S.125). Doch auch hier zeigt sich, dass nur wer das
Atom (also auch die beste Technologie) besitzt, hat die Macht, denn man hat
registriert „dass diese kleine radioaktive Wolke die Fähigkeit hatte, den
Gegner- als Gegner- in nichts aufzulösen“( S.125).
„Jene Männer, die dem friedlichen Atom nachjagten“ waren
„von einer Utopie geleitet“, nämlich: „genug Energie für alle und auf ewig“
(S.39). Doch stellt sich die Frage, ob die Utopien Monster heraustreiben? Wenn man von dem
Reaktorunfall ausgeht, hat sich diese Utopie allmählich zu einer Dystopie
entwickelt, denn die gutgemeinte Energie führte nun zu einer Katastrophe.
Die Technologie ist nicht nur auf dem Erdboden, sondern auch
im Himmel, „der aber nun nicht mehr Himmel heißt, sondern Kosmos“ (S.102). Die
Technologie im Himmel war aber von den Menschen geplant und deshalb konnte man
einen neuen Begriff erfinden und verwenden. Der Reaktorunfall war aber
unerwartet, so dass die Menschen keinen neuen Begriff dafür finden konnten und
es deshalb Wolke nennen. Es ist also „nur ein Zeichen unseres Unvermögens, mit
dem Fortschritten der Wissenschaft sprachlich Schritt zu halten“ (S. 37).
Interessant ist für die Erzählperson auch, dass die
Wortbedeutungen der Begriffe „Atom“ und „Individuum“ gleich sind. „ Wie
merkwürdig, dass A-tom auf griechisch das gleiche heißt wie In-di-viduum auf
lateinisch:unspaltbar. Die die diese Wörter erfanden, haben weder Kernspaltung
noch die Schizophrenie gekannt“ ( S.38). Das als unspaltbar gesehene Atom
führte zur Kernspaltung und somit zur radioaktiven Wolke, die zu späteren
gesundheitlichen Problemen führen wird. Das als unspaltbar angenommene
Individuum ist heutzutage in der Lage sich psychisch zu spalten, was in der
Medizin als Schizoprenie bezeichnet wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wolke in Christa
Wolf`s Roman „Störfall“ entweder positiv ist, also schön und weiß und Phantasie
anregend, wie oben schon einmal gennant, oder negativ aufgrund der
Radioaktivität nach dem Reaktorunfall. Dadurch, dass die Wolke als Symbol für
die Technologie verwendet wurde, lässt sich der Zwiespalt der Erzählperson
sehen, ob sie für oder gegen die Technologie ist. Also ist die Technologie zwar
an allem Elend schuld, aber trotzdem hilfreich.
Die Konfrontation der Erzählperson mit der Todesangst zeigt
sich erst nachts nach dem sie weiß, dass es ihrem Bruder gut geht. Desweiteren
zeigt sich die Hoffnung, die ja bekanntlicherweise immer als letztes stirbt,
dass alles wieder besser werden wird und auch wenn momentan alles schlecht ist,
ist es doch schön zu leben, was aus dem
folgenden Zitat zwischen den Zeilen herauslesbar ist (S.130):
„Wie schwer, Bruder, würde es sein, von dieser Erde Abschied
zu nehmen“
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