11 Ocak 2015 Pazar

Der Begriff „Wolke“ in Christa Wolf`s Roman „Störfall"



 Allgemeine Definition des Begriffs:


Eine Wolke (auf die indogermanische Wurzel uelg „feucht, nass“ zurückgehend und daher mit dem Adjektiv welk und dem Flussnamen Wolga sprachlich verwandt) ist eine Ansammlung von sehr feinen Wassertröpfchen ( Nebel) oder Eiskristalen in der Atmospäre.
(Quelle: Wikipedia)

Atomwolke:

Die beim zünden einer Atomwaffe (oder Reaktorunfall) freigesetzte Energie verdampft alles in ihrem Umfeld und entzündet weit Entferntes. Die dabei entstehende Asche bzw. Rauch, hochgewirbelter Staub und der Wasserdampf vermischen sich mit dem ebenfalls sublimierten radioaktiven Resten der Waffe zu einer radioaktiven Wolke, die sich beim Aufsteigen abkühlt und schließlich abregnet.


Der Begriff „Wolke“ wird in dem Roman oft benutzt und spielt eine große Rolle. Die Wolke dient auch als Leitfaden. Genauer gesagt wird sie als Symbol für die Technologie verwendet.
Es ist wichtig zu nennen, dass der Begriff  eine Bedeutungsveränderung durchlebt.
„Zu Großmutter Zeiten hat man sich unter dem Wort „Wolke“ nichts anderes vorstellen können als kondensierten Wasserdampf.Weiß, womöglich, ein mehr oder weniger schön geformtes, die Phantasie anregendes Gebilde am Himmel.“ ( S.15/16)
Auch der strahlende Himmel war bisher positiv besetzt, doch nach dem Reaktorunfall ist auch dies nicht mehr so, denn „auf Bestrahlung können wir aufgrund des histologischen Befunds verzichten“ (S. 30)

Wie in dem Zitat „ Dieser makellos blaue Himmel entgeht dir, dieses Sinnbild von Reinheit, auf dem sich heute die bangen Blicke von Millionen treffen.“ (S.27) zeigt die Natur ihre schöne Seiten, doch der blaue Himmel macht den Menschen heute Angst und das deshalb, weil durch den Eingriff des Menschen das Gleichgewicht der Natur gestört wurde.
Es wird weiterhin von der Operation des Bruders berichtet und zwar dass, wenn „ bestimmte Teile des Gehirns beschädigt werden, können sogar Persönlichkeitsveränderungen vorkommen“ (S.27). Im Zusammenhang zur radioaktiven Wolke wird hier auf spätere gesundheitliche Probleme hingewiesen, welche Folgen des Super-Gau`s waren.

Desweitern hat die Wolke „ die Lust am Schnittsalat und am Spinat genommen“ ( S.28). Das heißt, Lebensmittel, die gesund waren, sind nun schädlich, so dass man sie meiden muss.
Der technische Fehler führt weiterhin zu radioaktiven Gärten, so dass die Zeiten, in denen „Wissenschaftler oder Techniker häufig Entspannung  bei der Gartenarbeit suchen“ (S.29) nun vorbei sind.

Die Erzählperson schwärmt von ihrem Besuch in Kiew . „Ein Himmel wie dieser, reines blau“( S.36) und ist nun betrübt „dass, die unschuldige Himmelsfarbe diesen giftigen Ton annimmt.Der bösartige Himmel“ (S.36). Die Atomwolke ist also Schuld, dass sich etwas positives ins Negative ändert.
Der Regen ist nun auch nicht mehr schön, denn es rieselt Radioaktivität und deshalb dürfen die Kinder nicht mehr raus oder man muss sie abduschen wenn sie bei schönem Wetter draußen gespielt haben. (S.115)

Wie oben bereits genannt, wird die Wolke als Symbol für die Technologie benutzt. Die Erzählperson benutzt die Wolke demnach im Zusammenhang mit der Operation des Bruders.
„Soll doch diese verfluchte Wolke sich auflösen oder abregnen oder ich weiß nicht was.Sollen doch deine verdammten Ärzte endlich von dir ablassen. Soll doch alles wieder so sein, wie es vorher war“( S.61). Hier sieht man das Gefühl oder besser gesagt die Hoffnung, dass wenn die radioaktive Wolke entschwindet auch die Operation zu Ende sein wird. Die Wolke wird also gleichgesetzt mit der Operation.Dies bestätigt sich mit dem Zitat von Bertholt Brecht „ war eine Wolke, die ich lange sah. Sie war weiß und ungeheuer oben.und als ich aufsah, war sie nimmer da“ (S.66). Erst als die Nachricht kam, dass die Operation erfolgreich war, entschwindet die Wolke und zum ersten mal redet die Erzählperson von Mitverantwortung und der Hoffnung, „dass es für alles und jedes eine technische Lösung gibt“(S.67) und fragt sich „welcher Dichter es als erster wieder wagen würde“( S.68) die Wolke zu besingen.

Trotz dass sich der Bruder in einer Gegend befindet, wo die Emission stärker ist, ist sie nicht empört, denn er ist ja mit seinen Ärzten zusammen. Das heißt, die Technologie ist zwar an allem Elend schuld, jedoch hilft sie den Menschen auch. Denn wäre die Technologie nicht so weit entwickelt, hätte die Operation des Bruders nicht durchgeführt werden können.

Als die Nachricht kam, dass sich die Wolke geteilt hat und Nord- und Südeuropa betadelt wurde, stellt sich die Erzählperson die Frage, ob „wir uns in einem Ernstfall wie diesem tatsächlich zu Nordeuropa zählen mussten, was wir sonst leichtfertigerweise und eigentlich aus Eitelkeit tun, oder ob wir nicht, genaugenommen, noch zu Mitteleuropa gehören“ (S.122). Somit kann man sehen, dass ein Reaktorunfall dazu führen kann, wo man in der Welt steht.
Die Bauern fragten sich, wer nun ihren „Salat bezahlen würde“( S.122), obwohl doch das Atom den Menschen mehr Energie bringen sollte, jetzt aber nur Geld kostet.
Weiterhin hat die radioaktive Wolke die Macht Geheimnisse zwischen Regierungen ans Licht rücken zu können, denn „Regierungen würden aus Selbsterhaltungstrieb dazu übergehen müssen, ihre Geheimnisse der anderen Seite geradezu aufzudrängen“ (S.125). Doch auch hier zeigt sich, dass nur wer das Atom (also auch die beste Technologie) besitzt, hat die Macht, denn man hat registriert „dass diese kleine radioaktive Wolke die Fähigkeit hatte, den Gegner- als Gegner- in nichts aufzulösen“( S.125).

„Jene Männer, die dem friedlichen Atom nachjagten“ waren „von einer Utopie geleitet“, nämlich: „genug Energie für alle und auf ewig“ (S.39). Doch stellt sich die Frage, ob die Utopien  Monster heraustreiben? Wenn man von dem Reaktorunfall ausgeht, hat sich diese Utopie allmählich zu einer Dystopie entwickelt, denn die gutgemeinte Energie führte nun zu einer Katastrophe.

Die Technologie ist nicht nur auf dem Erdboden, sondern auch im Himmel, „der aber nun nicht mehr Himmel heißt, sondern Kosmos“ (S.102). Die Technologie im Himmel war aber von den Menschen geplant und deshalb konnte man einen neuen Begriff erfinden und verwenden. Der Reaktorunfall war aber unerwartet, so dass die Menschen keinen neuen Begriff dafür finden konnten und es deshalb Wolke nennen. Es ist also „nur ein Zeichen unseres Unvermögens, mit dem Fortschritten der Wissenschaft sprachlich Schritt zu halten“ (S. 37).

Interessant ist für die Erzählperson auch, dass die Wortbedeutungen der Begriffe „Atom“ und „Individuum“ gleich sind. „ Wie merkwürdig, dass A-tom auf griechisch das gleiche heißt wie In-di-viduum auf lateinisch:unspaltbar. Die die diese Wörter erfanden, haben weder Kernspaltung noch die Schizophrenie gekannt“ ( S.38). Das als unspaltbar gesehene Atom führte zur Kernspaltung und somit zur radioaktiven Wolke, die zu späteren gesundheitlichen Problemen führen wird. Das als unspaltbar angenommene Individuum ist heutzutage in der Lage sich psychisch zu spalten, was in der Medizin als Schizoprenie bezeichnet wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wolke in Christa Wolf`s Roman „Störfall“ entweder positiv ist, also schön und weiß und Phantasie anregend, wie oben schon einmal gennant, oder negativ aufgrund der Radioaktivität nach dem Reaktorunfall. Dadurch, dass die Wolke als Symbol für die Technologie verwendet wurde, lässt sich der Zwiespalt der Erzählperson sehen, ob sie für oder gegen die Technologie ist. Also ist die Technologie zwar an allem Elend schuld, aber trotzdem hilfreich.

Die Konfrontation der Erzählperson mit der Todesangst zeigt sich erst nachts nach dem sie weiß, dass es ihrem Bruder gut geht. Desweiteren zeigt sich die Hoffnung, die ja bekanntlicherweise immer als letztes stirbt, dass alles wieder besser werden wird und auch wenn momentan alles schlecht ist, ist es doch schön zu leben, was aus dem  folgenden Zitat zwischen den Zeilen herauslesbar ist (S.130):


„Wie schwer, Bruder, würde es sein, von dieser Erde Abschied zu nehmen“


 Yasemin

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